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Kurz vor dem Jahrhundert-Regen

Geschrieben von Karsten am 29. Juni 2017. Veröffentlicht in Menschen am Kudamm

Alles ist möglich auf dem Kudamm. Auch wenn Wolkenbruch angekündigt ist und der Regen schon in der Luft liegt, habe ich mich heute in sehr optimistischer Stimmung an meine Lieblingsstelle auf dem Kurfürstendamm begeben. Warum so ein gutes Gefühl? Ich weiß es nicht.

Und mein Gefühl hat mich tatsächlich nicht getäuscht. Nach etwa 10 Minuten treffe ich Melina. Wie sie mir erzählt, ist sie vor kurzem von einer Weltreise von 2,5 Jahren nach Deutschland zurückgekehrt.

Dabei war sie in den USA, in Australien, Malaysia, Indonesien. Einfach nur Wow! Ursprünglich aus dem Schwarzwald, ist sie jetzt erst seit einer Woche in Berlin. Und dann gleich an einer der besten Stellen! :)

Die beste Stelle von ihrer Weltreise war übrigens Bali in Indonesien. Dort herrsche eine unvergleichliche Atmosphäre mit vielen offenen und kreativen Menschen. Sie kam ins Schwärmen..ich bekam Fernweh.

Am Ende der Begegnung fing es dann an mit dem angekündigten Wolkenbruch. Was wie ein normaler Regenschauer begann, wuchs sich schließlich zu einem "Jahrhundert-Regen" aus. In den nächsten 12 Stunden sollte doppelt so viel Regen auf Berlin prasseln wie normalerweise im Durchschnitt im ganzen Monat.

Straßenkreuzungen verwandelten sich in Planschbecken, Gully-Deckel lösten sich aus ihrer Verankerung, so dass Menschen im TV davor gewarnt wurden, nicht in die Öffnungen hineinzufallen, die Autobahn wurde sogar zeitweise gesperrt. Auch die S- und U-Bahnen wurden teilweise unterbrochen. Die U-Bahnstation Spichernstraße lief wie eine Badewanne mit Wasser voll.

Also ich kann mich in meinen 19 Jahren in Berlin nicht an ein vergleichbares Wetter erinnern.

Selbstverständlich das Allerwichtigste bei dem ganzen Chaos: Ich habe an diesem Tag mein Foto am Kudamm gemacht. :)


Menschen am Kudamm (57)

Geschrieben von am 31. Mai 2017. Veröffentlicht in Menschen am Kudamm

Nach einer längeren Pause habe ich mich nun dazu entschlossen, das Projekt fortzuführen. "Menschen am Kudamm" continues!

Es brauchte etwas Überwindung, die gewohnte Routine erneut aufzunehmen. Der Kudamm ist zwar der alte, aber einige Geschäfte haben in den letzten zwei Jahren mal eben die Staßenseite gewechselt.

Andere Läden haben geschlossen oder sind ganz woanders hingezogen. Aber die Menschen sind immer noch da und genauso interessant wie eh und je.

Als ersten Teilnehmer nach meiner langen Pause habe ich Immobilien-Ökonom Christian auserkoren. Hunde sind immer ein dankbares Motiv. Wenn sie dann noch so artig wie die von Christian sind, dann kann im Idealfall etwas Tolles dabei entstehen.

Nur 4 Aufnahmen habe ich von diesem Motiv fotografiert. Ich musste zweimal hinschauen, als ich sah, wie geradezu profimäßig die beiden Tiere in die Kamera blickten. Sie seien das schon gewohnt, sagte mir Christian. Seit 2 Monaten bereichern sie das Leben von ihm und seiner Familie, mit der er schon 11 Jahre in unmittelbarer Nähe vom Kurfürstendamm lebt.

Sein halbes Leben spiele sich hier ab und der tägliche Spaziergang auf dem breiten Fußweg sei für ihn eine liebgewonnene Kür.

Letzteres gilt auch für mich und dieses Projekt. Ich freue mich auf viele neue Bekanntschaften.


Menschen am Kudamm (56)

Geschrieben von Karsten am 20. September 2014. Veröffentlicht in Menschen am Kudamm

Ich wünschte, ich könnte hier jetzt mehr über die Dame des heutigen Portraits am Kudamm schreiben. Aber die Begegnung mit ihr dauerte insgesamt gesehen maximal 3 Minuten.

Das sind immer noch deutlich mehr als die 10 Sekunden, die sie mir am Anfang unseres Treffens zugestehen wollte. Doch an weitere Einzelheiten aus dem Leben der heutigen Teilnehmerin meines Projekts war neben dem Aufnehmen des Bildes und dem Austausch der Kontaktdaten nicht zu denken. Immer diese Eile!

Immerhin konnte ich noch in Erfahrung bringen, dass die große Narbe auf ihrer Brust von einer Herz-OP stammt. Leicht hätte ich sie aus dem Bild wegretruschieren können. Aber es sei ok für sie, wenn ich die Narbe im Bild lasse, sagte sie mir.

Sprachs und verschwand in einer Seitenstraße des Kudamms...


Menschen am Kudamm (55)

Geschrieben von Karsten am 18. September 2014. Veröffentlicht in Menschen am Kudamm

Seine Kamera sah ich schon von weitem. Zuerst hielt ich ihn deshalb auch für einen Berufs-Kollegen. Doch Hideki Terui ist Professor für Deutsch und Ästethik an der Uni in Hokkaido in Japan, wie er mir wenig später verriet.

Für einen Monat ist er in Berlin zu Besuch und hat seine wunderschöne Mamiya-Kamera (RZ 67) mitgebracht, die noch analog mit Negativ-Film arbeitet.

Und die hat er am heutigen Tag am Kudamm aufgebaut, wo es ja wahrlich viele Foto-Motive zu bestaunen gibt (ich spreche da aus eigener Erfahrung).

Neben dem Fotografieren ist Hideki auch sehr theater-interessiert. Er versuche, jeden Tag in ein anderes Stück zu gehen. Ich denke, mit dem Kudamm hat er da einen guten Griff gemacht, kommt es einem doch nicht selten wie eine ganz eigene Bühne vor.

Nach einem angenehmen Gespräch (nicht nur) über Fotografie trennten sich unsere Wege wieder. Gut Licht, Hideki!